Skopje baut sich ein Denkmal

Skopje ist leider schon die letze Destination unserer Tour durch den Balkan. Der spontane Abstecher nach Südosteuropa bedeutete einen ziemlichen Tapetenwechsel nach fünf Monaten in Südostasien, hat sich aber enorm gelohnt. Vier Wochen Kultur und Nachtleben, gutes Essen, Wein und Rakija haben uns gestärkt für neue Abenteuer.

Als wir in der Stadt einlaufen, fragen wir uns, ob wir denn am richtigen Ort gelandet sind: Plötzlich stehen wir vor einer gigantischen Ritterstatue von Alexander dem Grossen. Die ganze Innenstadt ist voll von Statuen und (teilweise halbfertigen) neoklassizistischen Monumentalbauten, so dass gar Letzterer neidisch werden könnte. Baut hier jemand ein neues Rom? Gemäss Reiseführer sollte dieser Platz praktisch leer sein. Nach ein paar Worten mit Einheimischen löst sich das Rätsel: Die neue Regierung hat vor circa drei Jahren beschlossen, die Innenstadt mit “historischen” Bauten aufzuwerten – und sich damit wohl auch selbst ein Denkmal zu setzen. Das Projekt “Skopje 2014” (geplantes Fertigstellungsdatum) wird die Stadt in eine Art europäisches Las Vegas verwandeln. Viele Einwohner sind aber nicht gerade begeistert, vor allem auch weil das knappe Geld auch für prioritärere Aufgaben hätte eingesetzt werden können. Wir sind uns lange nicht sicher, was wir von diesem Anflug von Gigantismus halten sollen. Immerhin standen in der Innenstadt vor dem grossen Erdbeben von 1963 bereits einige wenige grosse Bauten, womit das Bauvorhaben immerhin zu einem kleinen Teil als Wiederherstellungsmassnahme betrachtet werden kann. Was künftige Generationen davon denken werden, wird sich zeigen. Jedenfalls finden wir den pseudo historischen Kitsch gar nicht einmal so unästhetisch (abgesehen von der übertriebenen Statuenzucht); er kann es mit den vielen Bausünden, die wir in den letzten Wochen gesehen haben, locker aufnehmen.

Die Stadt Skopje ist in der glücklichen Lage wenige Kilometer von erstaunlichen Naturschönheiten entfernt zu liegen. In der wenigen uns noch verbleibenden Zeit machen wir einen Abstecher zum Matka Canyon mit der spektakulären Vrelo Höhle. Die zum grössten Teil mit Wasser geflutete Höhle ist wohl eine der tiefsten der Welt. Bis jetzt ist ein waghalsiger Taucher in eine Tiefe von 192 Meter vorgedrungen und hat noch keinen Grund erreicht. Solche Räubergeschichten kitzeln ein bisschen den Abenteuergeist, sind jedoch ganz knapp über unserer bescheidenen Taucherfahrung… Wir erfreuen uns aber auch ohne Tauchermaske an den oberirdischen Teilen der Höhle und dem schönen Canyon.

An unserem letzten Abend im Balkan ist in Skopje “White Night”, praktisch alle Lokale sind die ganze Nacht geöffnet, in jeder zweiten Kneipe und auf dem Hauptplatz spielen Live Bands und die halbe Stadt ist auf den Beinen. Ein guter Ausklang.

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Prinzipientreue und krumme Nägel

Das Geständnis vorneweg: Wir haben gegen zwei wichtige Prinzipien unseres Unternehmens Weltreise verstossen: Erstens haben wir ursprünglich geplant in diesem Jahr maximal zehn Länder zu bereisen. Doch nur schon in den letzten knapp vier Wochen haben wir mehr als zehn Landesgrenzen überschritten (mit ebenso vielen Währungskonvertierungen). Zweitens wollten wir dem Sommer nachreisen. Die inoffizielle Minimaltemperatur von 10°C wurde in den letzten Tagen mehrmals unterschritten. Doch alles der Reihe nach.

Nach Albanien wollen wir auch noch den jüngeren Bruderstaat besuchen, aus welchem bekanntlich eine nicht kleine in der Schweiz lebende Minderheit stammt. Auf dem milliardenteuren, neuen Albanien-Kosovo Highway brausen wir von Tirana Richtung Pristina. Es ist die wohl beste Strasse unserer ganzen Reise. Vorbei an den letzten Bunkern in Nordalbanien, wo die Blutrache auch heute noch ein gelebter Aspekt des Kanun ist, erreichen wir die Grenze zum Kosovo. Der Grenzübergang ist professionell organisiert, der kosovarische Einreisestempel landet bei uns beiden auf der zweitletzten Seite im Pass. Man erzählt, dass serbische Zollbeamte den Stempel ihrer abtrünnigen Provinz zuweilen “zerstören” (was immer das heisst). Daher vermuten wir bei dieser einheitlichen und ungewöhnlichen Stempelplatzierung eine leicht dilettantische Kaschierungsmassnahme. Wer weiss.

Als wir in Pristina aussteigen, schlagen uns frostige 5°C entgegen. Die Nacht wird den Gefrierpunkt touchieren. Der kleine Elektroofen kann unser Hotelzimmer nicht wirklich auf “prinzipienkonforme” Temperaturen bringen. Da wir mit unserer Tropenausrüstung leicht an den Anschlag kommen, kaufen wir uns am nächsten Morgen einen warmen Pulli bzw. eine Jacke (auch unsere nächsten Destinationen Skopje und Ankara melden nächtliche Temperaturen nahe dem Nullpunkt). Warm eingepackt erkunden wir Pristina. In der Stadt ist vor ein paar Jahren noch geschossen worden. Eine leichte Nachkriegsatmosphäre ist auch heute noch spürbar: Unser Taxifahrer geht an Krücken wegen einer Bombensplitterverletzung am Bein. Die (deutschen, nicht schweizerischen) KFOR-Truppen sind sehr präsent, in den Strassen hat es noch mehr bewaffnetes Sicherheitspersonal als in Tirana und viele Läden (und unser Hotel!) sind nicht beheizt. Zudem befinden sich eine Mehrzahl der Gebäude in einem Zustand zwischen “im Bau” und “baufällig”, wobei nicht immer klar ist, welcher Zustand dominiert. Insbesondere Moscheen und Kirchen in der Innenstadt sind deshalb nicht begehbar; wirken leider eher baufällig als im Bau, jedenfalls sind kaum Renovierungsarbeiten ersichtlich. Man kann die klassischen Sehenswürdigkeiten an einer Hand abzählen. Unser Programm würzen wir mit einem spontanen Besuch der kosovarischen Lebensmittel- und Landwirtschaftsmesse, dem kuriosen Universitätsbibliotheksgebäude und einem Laden für Musikkassetten*.

Ansonsten ist das Strassenbild geprägt von der mehrheitlich arbeitslosen männlichen Bevölkerung. Auf der zentralen Flaniermeile drängen sich Massen um “Chilbi-Attraktionen” wie etwa den Nageleinschlag-Wettbewerb bei einem Werbestand eines deutschen Entwicklungsprojekts für Solarzellen. Pristina erinnert uns in einer Hinsicht stark an das laotische Vientiane: Es gibt eine sehr sichtbare, aber doch dünne Elite von lokalen Staatsfunktionären und internationalen Sicherheitsbeamten, Beobachtern und natürlich Entwicklungshelfern. Diese hat einen spürbaren Einfluss auf das Preislevel: Pristina ist aufgrund der vielen Spesenreisenden relativ teuer im Vergleich zur übrigen Region (wir nennen das den Washington- oder Brüssel-Effekt).

Obwohl Pristina interessante Einblicke in die Balkan-Region gewährt, fliehen wir aus der bissigen Kälte ins etwas mildere Skopje in Mazedonien. Die gängigen Klischees dieser Region wurden im Kosovo übrigens nicht unbedingt bestätigt und erst recht nicht in den anderen ex-jugoslawischen Ländern.

* An alle Leser mit Jahrgang 1990 und jünger: Eine Kassette (auch MC) ist ein anachronistisches Datenmedium auf Magnetband, das in den 1980er Jahren und frühen 1990er Jahren hauptsächlich zur Musikspeicherung eingesetzt wurde. Die Kassette zeichnete sich vor allem durch schlechterwerdende Soundqualität und Magnetbandsalat nach dem spulen aus.

Shqipëria

Wir sitzen im Bus nach Tirana als wir in einem kleinen Dorf die Grenze zu Albanien passieren. Die Formalitäten sind schnell erledigt, wir kriegen nicht einmal einen Stempel in den Pass. Und so fahren wir ins Land hinein. Wir haben in Serbien und Montenegro von vielen Einheimischen Tipps zu den Ländern Ex-Jugoslawiens bekommen. Albanien war jedoch für die meisten Terra incognita. So sind wir besonders gespannt auf Shqipëria, wie Albanien in der Landessprache heisst.

Nach den ersten paar Kilometern treffen wir bereits einen Esel auf der Strasse an und Betonpilze bzw. Bunker sind in den Wiesen zu erkennen. Ein paar Klischees zum Land scheinen sich also zu erfüllen. Wir sind im Land der Bunker, die zur Zeit der kommunistischen Herrschaft von Enver Hoxha errichtet wurden um das Land und die Bevölkerung vor allen möglichen Angriffen aus allen Herren Ländern der Welt zu schützen. Die genaue Zahl der Bunker ist zwar nicht bekannt, aber je nach Quelle sind bis zu 700’000 gebaut worden, nota bene in einem Land mit damals etwa drei Millionen Einwohnern. Heute sind die Betonpilze am Zerfallen, bleiben aber ein Mahnmal aus der Zeit der Isolation und Schreckensherrschaft, die bis in die frühen 1990er Jahre hinein gedauert hat.

Zunächst ist die Busfahrt nach Tirana noch sehr gemütlich. Doch in der ersten grösseren Stadt nach der Grenze, in Shkoder, heisst es plötzlich “finished”. Der Busfahrer kramt kurzerhand ein neues Schild für die Windschutzscheibe hervor, auf dem es nun nicht mehr Tirana, sondern wieder Ulcinj heisst, wo wir in den Bus eingestiegen sind. Wir müssen aussteigen und ich frage mich schon wie wir jetzt weiterkommen wollen, da die Busse in Albanien nicht von einem Busbahnhof abfahren, sondern von vielen verschiedenen Punkten in den Städten. Doch dies ist nicht weiter schlimm, denn der Fahrer hilft uns einen Kleinbus heranzuwinken, der uns und ein paar andere Gäste nun auf schnellstem Weg nach Tirana bringen wird. Wenn ich auf schnellstem Weg schreibe, dann kommt es mir wirklich so vor. Die relativ gut ausgebaute Strasse hat normalerweise etwa zwei Spuren, aber da werden wahlweise 2.5 bis 3 daraus gemacht. Überholen heisst die Maxime. Wir sehen auf der circa zweistündigen Fahrt immer wieder die gleichen paar Autos, weil wir uns gegenseitig immer wieder überholen – auch bei Gegenverkehr. Ich bin froh, haben wir uns nach langer Diskussion gegen ein Mietauto entschieden. Irgendwo in der Nähe des Zentrums von Tirana ist dann Schluss mit der Fahrt. Aber der Fahrer weist uns die Richtung zu unserem Hotel, so dass wir dieses einfach finden.

Am nächsten Tag wollen wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen. Ich komme wieder einmal in den Genuss einer Privatführung von Theo – alle Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Bars, die wir ins Auge fassen, sind akribisch auf einem Stadtplan notiert und dieser Plan in guten Händen. So kann es los gehen. Wir wandern also auf den Strassen dieser vom Tourismus noch nicht wirklich entdeckten Stadt. Dabei sehen wir uns Gebäude aus den dreissiger Jahren an, die von den Italienern zu Mussolinis Zeiten gebaut worden sind. Wir trinken Kaffee im Ausgangsviertel “Blloku”, das bis in die neunziger Jahre den Parteieliten vorbehalten war und erklimmen das versprayte, pyramidenförmige Gebäude, das einmal eine Ausstellung von Hoxha beherbergte, heute aber am Zerfallen ist. Obwohl die Temperatur von 28 Grad und das schöne Wetter nicht dazu einladen, sehen wir in Museen auch Verschiedenes zur Geschichte des Landes und führen uns sozialistische (Propaganda-) Malerei zu Gemüte. Nach einem Tag scheint es, als haben wir die Sehenswürdigkeiten für beide geplanten Tage eigentlich schon gesehen.

Es ist Samstag, der Tag mit dem meisten Nachtleben in der Stadt, das wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollen. Nach einigem Herumirren finden wir den gesuchten Klub. Während eine gute Liveband spielt, ertappe ich mich, wie ich mich fast nicht entscheiden kann, wohin ich meine Aufmerksamkeit richten soll. Ich habe einen Fensterplatz und kann auch das Geschehen auf der Strasse beobachten, was einer “Soap Opera” und Autoparade gleichermassen gleicht. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich noch nie in meinem Leben eine solche Menge an Mercedes gesehen habe. Man kann die Autos mit dem Stern in Albanien in jedem Alter, Zustand, Farbe und Ausführung bestaunen. Auch dies ist eine grosse Veränderung zu den kommunistischen Zeiten als Autobesitz den Eliten vorbehalten war. Abgesehen von den Mercedes ist die Szene nicht viel anders als in gewissen Klubs in Zürich.

Unser nächstes Ziel ist Berat, was wie Belgrad “weisse Stadt” bedeuted. Berat führt einen in die Zeit des osmanischen Reichs zurück mit weiss getünchten Häusern und vielen Fenstern in diesem typischen Stil. Obwohl das Wetter es nicht gut mit uns meint, erkunden wir die faszinierende Altstadt und lassen den Tag bei gutem albanischen Wein ausklingen.

Vom Reiseleben

Wir sind in Montenegro, einem sehr jungen Land in Europa. Und hier eine Frage vorweg: wie heisst die Hauptstadt dieses Landes? Man würde meinen, dass wir Europa genügend gut kennen um alle Hauptstädte benennen zu können, schliesslich haben wir dies in der Schule gelernt. Nun ja, meine Schulzeit ist auch schon eine Weile her und Montenegro gab es zu dieser Zeit als unabhängiger Staat noch nicht. Aber unsere Reise ist manchmal auch gut um Geografiekenntnisse aufzufrischen.

Die Hauptstadt haben wir links liegen gelassen und sind mit dem Bus aus den kalten Bergen in Westserbien direkt durch das ganze Land, vorbei an spektakulären Landschaften, an die Küste gefahren. Im September geht es hier recht beschaulich zu, die grossen Touristenmassen sind wieder zu Hause und das Meer ist sauber. Unsere erste Station ist Herceg Novi im Norden. Wir mieten uns in ein kleines Apartment ein, das Balkon mit Sicht auf das Meer verspricht. Wir werden mit serbischer, ähm montenegrinischer Gastfreundschaft und Rakija begrüsst. Am Sonntagmorgen geniessen wir das Frühstück auf dem genannten Balkon und ich habe wieder einmal Zeit die NZZ von A bis Z durchzulesen. Fast wie in der Schweiz. Unsere Reise braucht auch Momente des Alltags. Selber kochen oder Zeitung lesen sind für uns manchmal fast spezieller als eine weitere Sehenswürdigkeit.

Später am Strand lese ich in einem Reiseführer, wie so häufig. Unsere Reise erfordert eine ständige Planung, auch wenn ich mir manchmal vorkomme, dass wir doch nicht immer so gut vorbereitet sind, aber wir sind ja gut im Improvisieren. Wie ging das nochmal mit der Hauptstadt von Montenegro? Schon herausgefunden wie sie heisst? Spicken gilt nicht.

Es bleibt aber auch Zeit für “normale” Bücher. Ich habe in diesem Jahr sehr viel gelesen, von Literatur über Sachbücher bis Groschenromane. Während Theo im Dschungel von Borneo jeden Abend detailliert Tagebuch geschrieben hat, habe ich mir jeweils eine “Auszeit” aus der grünen Hölle genommen und in einem Buch gelesen. Ich habe ein Buch, das ich als Kind schon mal gelesen habe, elektronisch frei verfügbar wiedergefunden und mich direkt in die Abenteuer von Winnetou entführen lassen. Irgendwie war dann der Regenwald wieder etwas erträglicher. Falls noch jemand eine Ferienlektüre sucht, könnte ich “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” nur wärmstens empfehlen. Ich musste in Indonesien beim Lesen durchwegs schmunzeln, vor allem als dann das Buch auch in diesem Land spielte.

Aber zurück nach Herceg Novi in Montenegro. Da dieser Ort in einem Dreiländereck liegt, mieten wir uns ein Auto für eine Kurzvisite nach Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien in einem Tag. Übrigens, die idyllische Stadt Trebinje und das imposante Kotor gefallen uns besser als die Massentourismusdestination Dubrovnik. Danach wenden wir uns südwärts in Richtung Ulcinj, schon fast an der Grenze zu Albanien. Neben dem wunderschönen Sonnenuntergang, den wir vom Balkon unseres Apartments beobachten konnten, ist mir vor allem die Moschee direkt neben dem Bade-Sandstrand aufgefallen. Wir bewegen uns definitiv wieder ostwärts und der Muezzin wird uns in nächster Zeit wieder begleiten.

Übrigens die Hauptstadt von Montenegro heisst Podgorica. Und ich gebe es ja zu, wir wussten es auch nicht bis vor etwa zwei Wochen.

Belgrad rockt

Nach fast fünf Monaten in Südostasien kehren wir der Region nicht ohne Wehmut den Rücken und kehren nach Europa zurück. Warum wir uns spontan entschieden haben, die Balkanstaaten zu besuchen, wissen wir selbst nicht mehr genau. Brauchen wir wieder einmal europäische Kultur (inklusive alkoholische Getränke, Schweinefleisch, Kunst und Architektur) oder wollen wir herausfinden, wo eine der grössten und vorurteilsbehaftetsten Minderheiten in der Schweiz eigentlich herkommt? Jedenfalls könnte der Kontrast zwischen einem abgelegenen indonesischen Strand und der Hauptstadt von Ex-Jugoslawien fast nicht grösser sein.

In Belgrad werden wir von Nemanja, einem Gymer-Kollegen von mir empfangen. Er ist vor einigen Jahren in seine Heimat zurückgekehrt und wohnt nun mit seiner Familie in der Stadt. Er führt uns sogleich in ein traditionelles Kafana aus, wo wir von der reichhaltigen kulinarischen Vielfalt Serbiens fast erschlagen werden. Ohne Kaymak (eine Art leicht fermentierter Rahmkäse), Rakija (dem lokalen Obstbrand in vielen Varianten) und viel Fleisch kommt jedenfalls kein anständiges traditionelles Mahl aus. Nemanja bietet sich auch gleich als wandelnder Reiseführer für die ganze Region an und lässt uns in die legendäre serbische Gastfreundschaft eintauchen. Wir mieten uns in einem kleinen Apartment ein und beschliessen ein paar Tage in der Stadt zu bleiben, da wir wieder aufnahmefähig sind für klassische Sehenswürdigkeiten wie Kirchen, Festungen, Museen und ein bisschen Ostalgie.

Per Velo lässt sich die Stadt ideal erkunden; der vielleicht nicht unbedingt vorbildliche serbische Fahrstil kommt uns nach Indonesien ziemlich zahm vor. Unsere leicht alternative Velotourführerin war früher auch Guide für Nightlife Touren (die sie jedoch mangels Trinkfestigkeit aufgeben musste) und somit stauben wir noch ein paar gute Tipps ab. Bald finden wir auch heraus, wie das Bussystem in Belgrad (nicht) funktioniert. Am meisten geniessen wir in diesen Tagen die lebhafte und kreative Kunst- und Kulturszene, die vielen kleinen Cafés und Restaurants und das attraktive Nachtleben mit mehr Livebands in einem Belgrader Strassenblock als in ganz Zürich. Belgrad rockt wirklich.