Belgrad rockt

Nach fast fünf Monaten in Südostasien kehren wir der Region nicht ohne Wehmut den Rücken und kehren nach Europa zurück. Warum wir uns spontan entschieden haben, die Balkanstaaten zu besuchen, wissen wir selbst nicht mehr genau. Brauchen wir wieder einmal europäische Kultur (inklusive alkoholische Getränke, Schweinefleisch, Kunst und Architektur) oder wollen wir herausfinden, wo eine der grössten und vorurteilsbehaftetsten Minderheiten in der Schweiz eigentlich herkommt? Jedenfalls könnte der Kontrast zwischen einem abgelegenen indonesischen Strand und der Hauptstadt von Ex-Jugoslawien fast nicht grösser sein.

In Belgrad werden wir von Nemanja, einem Gymer-Kollegen von mir empfangen. Er ist vor einigen Jahren in seine Heimat zurückgekehrt und wohnt nun mit seiner Familie in der Stadt. Er führt uns sogleich in ein traditionelles Kafana aus, wo wir von der reichhaltigen kulinarischen Vielfalt Serbiens fast erschlagen werden. Ohne Kaymak (eine Art leicht fermentierter Rahmkäse), Rakija (dem lokalen Obstbrand in vielen Varianten) und viel Fleisch kommt jedenfalls kein anständiges traditionelles Mahl aus. Nemanja bietet sich auch gleich als wandelnder Reiseführer für die ganze Region an und lässt uns in die legendäre serbische Gastfreundschaft eintauchen. Wir mieten uns in einem kleinen Apartment ein und beschliessen ein paar Tage in der Stadt zu bleiben, da wir wieder aufnahmefähig sind für klassische Sehenswürdigkeiten wie Kirchen, Festungen, Museen und ein bisschen Ostalgie.

Per Velo lässt sich die Stadt ideal erkunden; der vielleicht nicht unbedingt vorbildliche serbische Fahrstil kommt uns nach Indonesien ziemlich zahm vor. Unsere leicht alternative Velotourführerin war früher auch Guide für Nightlife Touren (die sie jedoch mangels Trinkfestigkeit aufgeben musste) und somit stauben wir noch ein paar gute Tipps ab. Bald finden wir auch heraus, wie das Bussystem in Belgrad (nicht) funktioniert. Am meisten geniessen wir in diesen Tagen die lebhafte und kreative Kunst- und Kulturszene, die vielen kleinen Cafés und Restaurants und das attraktive Nachtleben mit mehr Livebands in einem Belgrader Strassenblock als in ganz Zürich. Belgrad rockt wirklich.

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