Shqipëria

Wir sitzen im Bus nach Tirana als wir in einem kleinen Dorf die Grenze zu Albanien passieren. Die Formalitäten sind schnell erledigt, wir kriegen nicht einmal einen Stempel in den Pass. Und so fahren wir ins Land hinein. Wir haben in Serbien und Montenegro von vielen Einheimischen Tipps zu den Ländern Ex-Jugoslawiens bekommen. Albanien war jedoch für die meisten Terra incognita. So sind wir besonders gespannt auf Shqipëria, wie Albanien in der Landessprache heisst.

Nach den ersten paar Kilometern treffen wir bereits einen Esel auf der Strasse an und Betonpilze bzw. Bunker sind in den Wiesen zu erkennen. Ein paar Klischees zum Land scheinen sich also zu erfüllen. Wir sind im Land der Bunker, die zur Zeit der kommunistischen Herrschaft von Enver Hoxha errichtet wurden um das Land und die Bevölkerung vor allen möglichen Angriffen aus allen Herren Ländern der Welt zu schützen. Die genaue Zahl der Bunker ist zwar nicht bekannt, aber je nach Quelle sind bis zu 700’000 gebaut worden, nota bene in einem Land mit damals etwa drei Millionen Einwohnern. Heute sind die Betonpilze am Zerfallen, bleiben aber ein Mahnmal aus der Zeit der Isolation und Schreckensherrschaft, die bis in die frühen 1990er Jahre hinein gedauert hat.

Zunächst ist die Busfahrt nach Tirana noch sehr gemütlich. Doch in der ersten grösseren Stadt nach der Grenze, in Shkoder, heisst es plötzlich “finished”. Der Busfahrer kramt kurzerhand ein neues Schild für die Windschutzscheibe hervor, auf dem es nun nicht mehr Tirana, sondern wieder Ulcinj heisst, wo wir in den Bus eingestiegen sind. Wir müssen aussteigen und ich frage mich schon wie wir jetzt weiterkommen wollen, da die Busse in Albanien nicht von einem Busbahnhof abfahren, sondern von vielen verschiedenen Punkten in den Städten. Doch dies ist nicht weiter schlimm, denn der Fahrer hilft uns einen Kleinbus heranzuwinken, der uns und ein paar andere Gäste nun auf schnellstem Weg nach Tirana bringen wird. Wenn ich auf schnellstem Weg schreibe, dann kommt es mir wirklich so vor. Die relativ gut ausgebaute Strasse hat normalerweise etwa zwei Spuren, aber da werden wahlweise 2.5 bis 3 daraus gemacht. Überholen heisst die Maxime. Wir sehen auf der circa zweistündigen Fahrt immer wieder die gleichen paar Autos, weil wir uns gegenseitig immer wieder überholen – auch bei Gegenverkehr. Ich bin froh, haben wir uns nach langer Diskussion gegen ein Mietauto entschieden. Irgendwo in der Nähe des Zentrums von Tirana ist dann Schluss mit der Fahrt. Aber der Fahrer weist uns die Richtung zu unserem Hotel, so dass wir dieses einfach finden.

Am nächsten Tag wollen wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen. Ich komme wieder einmal in den Genuss einer Privatführung von Theo – alle Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Bars, die wir ins Auge fassen, sind akribisch auf einem Stadtplan notiert und dieser Plan in guten Händen. So kann es los gehen. Wir wandern also auf den Strassen dieser vom Tourismus noch nicht wirklich entdeckten Stadt. Dabei sehen wir uns Gebäude aus den dreissiger Jahren an, die von den Italienern zu Mussolinis Zeiten gebaut worden sind. Wir trinken Kaffee im Ausgangsviertel “Blloku”, das bis in die neunziger Jahre den Parteieliten vorbehalten war und erklimmen das versprayte, pyramidenförmige Gebäude, das einmal eine Ausstellung von Hoxha beherbergte, heute aber am Zerfallen ist. Obwohl die Temperatur von 28 Grad und das schöne Wetter nicht dazu einladen, sehen wir in Museen auch Verschiedenes zur Geschichte des Landes und führen uns sozialistische (Propaganda-) Malerei zu Gemüte. Nach einem Tag scheint es, als haben wir die Sehenswürdigkeiten für beide geplanten Tage eigentlich schon gesehen.

Es ist Samstag, der Tag mit dem meisten Nachtleben in der Stadt, das wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollen. Nach einigem Herumirren finden wir den gesuchten Klub. Während eine gute Liveband spielt, ertappe ich mich, wie ich mich fast nicht entscheiden kann, wohin ich meine Aufmerksamkeit richten soll. Ich habe einen Fensterplatz und kann auch das Geschehen auf der Strasse beobachten, was einer “Soap Opera” und Autoparade gleichermassen gleicht. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich noch nie in meinem Leben eine solche Menge an Mercedes gesehen habe. Man kann die Autos mit dem Stern in Albanien in jedem Alter, Zustand, Farbe und Ausführung bestaunen. Auch dies ist eine grosse Veränderung zu den kommunistischen Zeiten als Autobesitz den Eliten vorbehalten war. Abgesehen von den Mercedes ist die Szene nicht viel anders als in gewissen Klubs in Zürich.

Unser nächstes Ziel ist Berat, was wie Belgrad “weisse Stadt” bedeuted. Berat führt einen in die Zeit des osmanischen Reichs zurück mit weiss getünchten Häusern und vielen Fenstern in diesem typischen Stil. Obwohl das Wetter es nicht gut mit uns meint, erkunden wir die faszinierende Altstadt und lassen den Tag bei gutem albanischen Wein ausklingen.

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