Komfort in Komodo

Nach fast drei Wochen am Strand von Bira können wir uns doch noch über das nächste Ziel einigen: Nach intensiven Diskussionen mit anderen Reisenden verschieben wir die weitere Erkundung von Sulawesi in die Zukunft und brechen Richtung Flores auf. Da die Fähre einmal pro Woche direkt von Bira ausläuft, ersparen wir uns so weitere Flüge und mühsame Überlandfahrten. Die fast zweitägige Überfahrt auf der öffentlichen Fähre von Sulawesi nach Flores spornt zudem unseren etwas bequem gewordenen Abenteuergeist an. Als wir vor Mitternacht das grosse Boot besteigen, sind wir zuerst etwas geschockt: Es hat ein paar Plastikstühle und rundherum liegen die Leute am Boden. Elvis, bei dem wir in Bira im Turm schlafen durften, gab uns den Tipp, die Kabine eines Schiffsoffiziers zu ergattern (gegen ein anständiges Trinkgeld). Einige freundliche Mitreisende machen uns jedoch auf die “Exekutif”-Klasse aufmerksam, wo man die Rücklehnen herunterlassen kann. Für knapp zwei Franken Aufpreis ergattern wir uns dort die letzten beiden Sitze und bald ist auch in dieser Klasse der Fussboden voll besetzt. Auf unseren Stühlen überleben wir die wellige Fahrt dann aber bequemer als befürchtet. Um vier Uhr morgens laufen wir in Labuan Bajo vor den Toren des berühmten Komodo Nationalparks ein und schlagen hier unsere Zelte auf.

Der Komodo Nationalpark bietet neben den Komodo Waranen eine vielfältige Unterwasserwelt; viele sprechen von den besten Tauchgründen ganz Indonesiens. Kurzentschlossen steigen wir auf das nächste Tauchboot und erkunden den Park zwei Tage lang unter der Wasseroberfläche auf einem sogenannten “Liveaboard”. Die Tauchgänge bieten viel Fisch, weite und unverbombte Korallengärten (Dynamitfischen ist hierzulande ein riesiges Problem) und eine imposante Insellandschaft. Allerdings muss man anmerken, dass sich das Tauchen in Bira, wenn auch teilweise herausfordernd, gegenüber Komodo überhaupt nicht verstecken muss. Meine Seekrankheitsaffinität hat sich bei den beiden längeren Bootsfahrten übrigens nur einmal kurz bemerkbar gemacht. Ich hatte aber glücklicherweise nur den Morgenkaffee im Magen.

Neben dem Tauchen freuen wir uns in Labuan Bajo auch wieder einmal über ein bisschen touristische Infrastruktur. In ein paar Tagen wird hier anlässlich des bevorstehenden Präsidentenbesuchs die neue Landebahn auf dem kleinen Flugplatz eröffnet. So ein Besuch macht aus den örtlichen Bauarbeitern plötzlich fleissige Bienlein: So wird Tag und Nacht an der Hafenpromenade gearbeitet nachdem zwei Jahre praktisch nichts geschehen ist. Und in der beschaulichen kleinen Bucht tummeln sich mittlerweile sieben Kriegsschiffe. Mit der neuen Landebahn wird der Ort nun definitiv auf dem indonesischen “Banana Pancake Trail” Java-Bali-Lombok landen. Aber alles hat auch seine guten Seiten: Labuan Bajo verfügt zwar noch über ein bisschen gemütliche Hafen- und Fischerdorf-Atmosphäre, verwöhnt uns daneben aber mit Annehmlichkeiten wie Internet, WC-Spülung, warmer Dusche und gutem (!) italienischen und griechischen Essen. Und wir finden sogar ein Weingeschäft. Paradoxerweise holt sich Anne hier noch eine Lebensmittelvergiftung, nachdem wir vorher wochenlang unter sehr einfachen Verhältnissen gelebt haben.

Jedenfalls geniessen wir in Labuan Bajo auf Flores unsere letzten Tage in Südostasien bevor wir mit einem handgeschriebenen Flugticket via Kuala Lumpur Richtung Belgrad aufbrechen wollen. Von dort aus startet unsere Balkan-Tour.

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