Back to School in Yogya

Die Ankunft in der Universitätsstadt Yogyakarta, dem kulturellen Herz Indonesiens im Zentrum von Java, gestaltet sich chaotisch. Der vor ein paar Tagen begonnene Ramadan hält die meisten Reisenden, inklusive uns, nicht davon ab, das Land während der besten Reisezeit zu besuchen. Da wir unser Visum bereits in Singapur besorgt haben, können wir immerhin die Schlange vor dem “Visa on arrival”-Schalter umgehen. Dies bringt uns aber nicht wirklich viel, denn den Zollbehörden sind die Einreiseformulare ausgegangen. Nach einigem Hin und Her tauchen die Zettelchen dann doch noch auf und wir können zum Immigrationsschalter vorrücken. Es ist kurz nach 17:30 und die Sonne ist soeben untergegangen. Der matte Zollbeamte macht nach einem Tag ohne Essen und Trinken nicht den frischesten Eindruck. Offenbar bin ich sein letzter “Kunde” vor dem Feierabend zum Fastenbrechen. Zack, Stempel in den Pass und fertig. Zum Glück fällt mir sofort auf, dass der Einreisestempel das falsche Datum trägt: 11. statt 12. Juli… Wer jetzt denkt, ich solle nicht pingelig sein, muss wissen, dass wir unser 60-Tages-Visum bis zum letzten Tag auskosten wollen. Der Flug ist schon gebucht. Nach freundlicher Beanstandung korrigiert der Beamte das falsche Datum im Pass kurzum von Hand. Ob das denn formell korrekt sei, frage ich. Ja ja, das sei kein Problem. Und weg ist der Beamte. Auch sein Schichtnachfolger winkt ab, das sei überhaupt kein Problem. Ich hoffe jedenfalls, dass ich in zwei Monaten keinen (mehr oder weniger lustigen) Nachfolgeartikel schreiben muss. Die Frage ist nur, warum das vor mir noch keinem aufgefallen ist, denn offenbar hatte der nette Herr während seiner ganzen Schicht falsche Stempel verteilt.

Nun gut, wollen wir nicht zu kritisch sein mit diesem für uns neuen Land. Am Ausgang werden wir von unserer äusserst netten Gastfamilie abgeholt, ein junges Paar mit einem einmonatigen Baby. Sie und somit auch wir wohnen im mittelständischen Studentenviertel im Nordosten der Stadt. Hier wollen wir während ein paar Tagen Indonesisch lernen. Da Indonesien im Gegensatz zu den vorher bereisten südostasiatischen Ländern des Festlands keine eigene Schrift und eine relativ einfach konstruierte, phonetische Sprache hat, hoffen wir in ein paar Tagen genug aufzuschnappen um uns auch in abgelegenen Gebieten durchschlagen zu können, wo niemand Englisch spricht. Die Sprachschule LB Colorado ist sehr klein und familiär. Wir haben abwechslungsweise bei drei Lehrerinnen Unterricht, was doch eine erfrischende Abwechslung bringt. Wir merken aber, dass es uns gut tut, wieder einmal den Kopf etwas anzustrengen. Nach täglich sechs Lektionen raucht jedenfalls der Schädel.

Yogyakarta ist vor allem berühmt als Universitätsstadt und kulturelles Zentrum (unter anderem für Batik, Silber und anderes Handwerk). Die Stadt liegt am Fusse des Gunung Merapi, des offiziell aktivsten Vulkans des Landes, vielleicht sogar der Welt. Der letzte grosse Ausbruch ereignete sich vor drei Jahren. Gestern Abend hatten wir in Yogya ein kleines Erdbeben, wir bemerkten es jedoch nicht einmal (nur Stärke 2.6 auf der Richterskala). Heute Morgen hatte es Vulkanasche in der Luft. Die vulkanische Landschaft um Yogya ist zudem Kulisse für zwei der ältesten und eindruckvollsten Monumente der Region: Die 1200-jährige hinduistische Tempelanlage “Prambanan” sowie das gleichaltrige buddhistische Pendant “Borobudur”, gemäss Guidebook die meistbesuchte Sehenswürdigkeit des Landes. Die beiden Steinkolosse sind wirklich imposant und spielen in der Liga von Ankor Wat und Bagan. Wider Erwarten hielten sich die Besucherströme in Grenzen, offenbar wegen Ramaden.

Ansonsten ist Yogya eine klassische asiatische Stadt mit viel Verkehr. Die Stadt ist zwar meilenweit entfernt von jakartaesken Verkehrsverhältnissen, aber halt doch nicht wirklich fussgängerfreundlich (zumindest heutzutage). Als notorische Fussgänger erregen wir hier immer wieder leichte Verwunderung oder gar Befremdung. Ich denke, unsere Gastfamilie nimmt uns nicht mehr ganz für voll, weil wir einmal vom ca. 5 km entfernten Bahnhof nach Hause gelaufen sind. Wann immer jemand zu Besuch kommt, wird die Geschichte jedenfalls (als Kuriosum?) erwähnt. Hier muss ich ergänzen, dass die beiden ohne Witz für den Weg zum 200 Meter entfernten Lebensmittelladen in aller Selbstverständlichkeit das Auto nehmen, auch wenn nur ein Brot eingekauft wird. Andere Länder, andere Sitten.

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